Ein sehr ergreifender Film über die Gewichtigkeit und die Bedeutung einer hundertstel Sekunde.
Nehmt Euch einen Augenblick Zeit, den Film in Ruhe zu sehen. Er ist nicht geeignet für “mal eben nebenbei”.
[via lens-flare.]
Ein sehr ergreifender Film über die Gewichtigkeit und die Bedeutung einer hundertstel Sekunde.
Nehmt Euch einen Augenblick Zeit, den Film in Ruhe zu sehen. Er ist nicht geeignet für “mal eben nebenbei”.
[via lens-flare.]
34 Comments
der film hat mich gerade wirklich sehr bewegt. auf der einen seite werden hier gefühle und tragische momente transportiert und auf der anderen seite die pflicht diese momente, als Journalist, für die menschheit zu dokumentieren. ich habe eine absolute hochachtung vor menschen die so etwas leisten.
@blendentanz und ich denke, daß diese frau für ihr leben lang kaputt ist, nachdem sie dem kind nicht geholfen hat. so verschieden können interpretationen sein… als ich den film gesehen habe, kam mir echt das würgen, wie die frau da noch draufhalten konnte- journalistin oder nicht. das geht einfach nicht. da habe ich null hochachtung. sorry.
Ich möchte niemandem zu nahe treten aber genau das denke ich mir jedes Mal, wenn ich diese “Fotos des Jahres” sehe. Da stehen Menschen neben dem größten Leid und tun nichts anderes, als es zu fotografieren und die tragischsten Bilder werden dann ausgezeichnet.
Finde ich traurig.
n schwieriges feld, bei dem man meiner meinung nach kaum pauschal urteilen kann. hab mir vor ner weile ähnliche fragen gestellt, als ich das hier gesehen hab: http://tinyurl.com/l9xaxc
am ende ists ne kosten/nutzen-rechnung: vllt trägt das foto dazu bei, weitere morde zu verhindern. die fotografin zahlt jedenfalls einen hohen preis – sofern sie nicht völlig abgestumpft ist.
@euklid: daß die fotografin nicht völlig abgestumpft ist, sieht man ja am ende des filmes. ich denke, die wird niemals mehr stolz und glücklich sein können in ihrem leben. schlimm.
@david: dann sind wir ja einer meinung.
@Chikatze: ja, sind wir. Wobei ich noch hinzufügen möchte, dass ich natürlich nicht verlange, dass jeder, der solches Leiden sieht, unbedingt eingreifen muss, manchmal geht das nicht. Aber zwischen “Nichteingreifen aus Angst um das eigene Leben” und “Beim Erschießen zugucken und draufhalten mit der Kamera” ist doch irgendwie ein schmaler, moralischer Grat.
Aber wie euklid314 so weise formulierte: pauschalisieren ist hier – wie eigentlich überall im Leben – fehl am Platz.
Wahnsinn, ist das gruselig.
Ich dachte, mir kommts hoch, als ich das Bild von dem Mädchen sah – und Gänsehaut hatte ich schon vorher.
… wo ist in dieser, unserer Gesellschaft die Menschlichkeit geblieben?
Dieser Kurzfilm trifft einen Nerv – und zwar sehr eindrucksvoll, wie ich an meiner Gänsehaut und dem Kloß im Hals deutlich spüre.
Sehe übrigens gerade: Beim photappar.at gab es auch eine Diskussion um diesen Film.
Dort meldet sich ein Fotograf in den Kommentaren, der aus solch einem Job kommt. Er sagt, daß man es irgendwann nicht mehr aushält (und das ist meiner Meinung nach die Aussage dieses Filmes…).
Oder denkt Ihr, daß die Fotografin noch ein einziges Mal in ein Krisengebiet reisen wird um “DAS Starfoto” zu reißen (auf Kosten eines Kinderlebens)?
Ich denke, sie kann nicht.
Und auf ihr Foto kann sie nichtmal stolz sein.
Wie der Kommentator bei photoappar.at sagt: Alpträume verfolgen einen nach sowas. Ganz klar.
Ein furchtbarer Beruf.
@david: ganz klar. da gebe ich euch beiden recht!
@Chikatze: meinte es auch nicht nur auf die journalistin im film bezogen. kann euch wirklich den oben genannten film empfehlen, der das thema sehr feinfühlig beleuchtet.
@barbarella: ja, mir ist auch ganz anders geworden. der film ist wirklich beeindruckend gemacht.
@euklid: wenn du einverstanden bist, gucke ich mir den film morgen an. wenn der auch so heftig aufs gemüt schlägt, möchte ich den nicht gerade vor dem einschlafen ansehen. okay? :)
@Chikatze: Mehr als einverstanden ;) Btw: Schön, mal an n bisschen Serious-Stuff über Twitter zu gelangen
@Chikatze
Ich werde mir (aus reinem Selbstschutz, dass ich schlafen kann) wirklich vor Augen führen müssen, dass DIES “nur ein Film” ist .. und mir nicht zu deutlich machen, wie wahr die Hintergründe sind, auf denen dieses Werk entstanden ist.
Ganz ehrlich? Ich hab mit ihr geweint. Viel mehr kann ich dazu grad gar nicht sagen.
Das klingt jetzt sehr verbittert, aber ich habe aufgehört mir Fragen wie “Was ist nur aus dieser Welt geworden?” zu stellen. Es sind nunmehr “alltägliche” Perversitäten, trotzdem tut es immer wieder weh.
Die Welt ist wie sie ist und wir alle mit unseren Massenmedien und unserem Informationsdurst machen sie zu genau dem, was sie ist.
PS: Am schlimmsten fand ich übrigens die lachenden Gesichter bei der Preisverleihung. Mit dem Bild eines erschossenen Mädchens vor Augen! Aber auch das… es tut weh, aber es überrascht nicht mehr.
ich habe mir eine fotoausstellung des berühmten fotografen james nachtwey http://www.jamesnachtwey.com/ angeschaut. dort lief ein videointerview mit ihm auf einem monitor. er sagte dort
“ich werde immer und immer wieder in diese abscheulichen kriege gehen. ich werde immer und immer wieder all das fotografieren was ich dort sehe und erleben muss. damit wir daheim wissen was krieg ist. damit wir all das sehen was in der welt pasiert.”
http://www.jamesnachtwey.com/jn/images/JN0011SUINGA.jpg
@patrick: wenn es um kriegsfotografie im allgemeinen geht, mag so eine aussage zutreffen. ich finde aber die szene im film speziell. hier geht es um ein kind. muß man fotografieren, wie ein kind bedroht und erschossen wird um zu zeigen, wie schlimm krieg ist? das geht auch anders. meine meinung…
@ikima: vielen dank für die schilderung deiner eindrücke!
@blendentanz: glaubst du mir jetzt, daß ich mehr als 5 leute bewegen kann, ihre meinung zu dem video kundzutun? wie du siehst: es ist ihnen nicht egal. sie haben eine meinung.
*beweis*
@chikatze, zuersteinmal glaube ich das die situaton hier im film sehr überspitzt dargestellt wird. es mag preisverleihungen geben wo sich fotografen gegenseitig beklatschen und bejubeln und schaumwein trinken. fotografen die bilder in kriesengebieten machen tun das aber sehr bewusst und nehmen ihre aufgabe ernst. es gibt einfach in der realität keine preisverleihung wo das bild eines soeben erschossenen kindes mit schaumwein begossen wird. es gibt auch keine galas und festveranstaltungen und keine galerieeröffnungen wo kriegsbilder die derartig grausames zeigen in dieser art gefeiert werden. es mag preisverleihungen geben auch für kriegsbilder, ja, aber eben nicht so wie hier dargestellt. du wirst nun vieleicht sagen das dies ja nicht so wichtig ist und filme halt manchmal übertreiben und das dies an der sache ja nichts ändert…. da meine ich aber wiederrum das dies sehr wohl wichtig ist. denn man kann mit filmen und mit medien überhaubt nicht vorsichtig genug umghen. denn am ende neigen wir ganz schnell uns ein bild zu machen von einer wirklichkeit die es so nicht gibt. wir bekommen die wirklichkeit eben nur gefiltert durch die medien zu sehen. am ende neigen wir schnell dazu uns ein urteil zu machen ohne je einen kriegsfotografen kennengelernt zu haben, ohne je in einem krieg gewesen zu sein, ohne je auf einer preisverleihung für fotografen anwesend gewesen zu sein.
zu deiner frage ob man ein erschossenes kind fotografieren muss…. du wirst über meine antwort staunen aber ich meine JA. ich weiß es gab da schon sehr viele diskusionen über ethik und moral. aber was ist denn dann der krieg selbst? diesen finde ich zutiefst unmoralich. selbst wir die wir uns für die hochentwickelte westliche welt halten lehren innerhalb der bundeswehr das “krieg nur eine vortführung der politik ist” und wir lehren innerhalb der bundeswehr die “humane kriegsführung”.
entschuldigung, aber da meine ich wirklich das menschen die zeigen was krieg wirklich ist wichtig sind.
was chikatze ist denn am ende vieleicht hilfreicher? ein erschossenes mädchen das kein mensch in unser ach so heilen westlichen welt je gesehen hat weil der fotograf sich gesagt hat “das kann ich keinem zeigen weil es zu grausam ist” oder das erschossene kind was sich jeder ansehen muss. jeder! jeder muss drauf schauen auch wenn er nicht will. jeder der sich für kriegsdienst, für die bundeswehr entscheidet, jeder der meint kriege sind gerechtfertigt. ja ich meine sogar jedes schulkind solte sich diese bilder anschauen denn vielleicht hilft es das sich sich dann gedanken über krieg und seine wirkungen machen.
ok, zum schluss meiner langen rede…. du sagst, es geht auch anders. was hättest du gemacht wenn du in diesem moment diese fotografin gewesen wärst?
@Patrick: Ich glaube, Du und Herr Blendentanz, ihr seht nur den “Helden” Fotografen in der Szene, der so unglaublich stark ist, das Foto trotzdem zu machen.
Ich finde aber, es geht zu weit.
Ein Mensch, der noch einigermaßen funktionirt (emotional), wird das nicht können. Die Fotografin war zu “geil” auf das Bild und ist drangeblieben. Sie wollte alles, vielleicht hatte sie schon den Preis im Kopf, den sie damit erreichen kann.
Am Ende ist sie daran zerbrochen. Sie wird ihres Lebens nicht mehr froh. Wahrscheinlich hat sie häufig Alpträume von genau dieser Szene, für die alle sie bejubelt haben.
Ich sage ja nicht, daß ich Kriegsfotografie falsch finde! Im Gegenteil. Sie ist sehr wichtig, damit wir alle hier in der schönen Welt nicht vergessen bzw. vor die Nase gehalten bekommen, wie schlimm krieg ist.
Aber ich bleibe dabei: Es reicht, verwundete Menschen zu zeigen. Es muß nicht immer das Kind sein. Und ja, hier ist es übertrieben dargestell: Die Fotografien lichtet nicht “nur” ein totes Kind ab, sondern die ganze tragische Szene, inklusive Flucht, Verfolgung, Bedrohung und …. bis zum bitteren Ende.
Du fragst, wie ich gehandelt hätte. Das kann ich Dir leicht beantworten: Ich wäre gänzlich ungeeignet für solch einen Job. Ich würde nicht in die Lage kommen, im Krieg auftragsweise fotografieren zu müssen/wollen.
Ja “wollen”- die Journalisten gehen ja freiwillig dorthin.
Und in der gezeigten Situation: Ich denke nicht, daß ich den Mut gehabt hätte zu helfen. Draufhalten finde ich aber nicht besonders mutig. Vermutlich wäre ich geflüchtet, feige, aber ganz ehrlich, weil ich den Anblick nicht hätte ertragen können.
Sind wir mal ehrlich: Wer von uns hätte die Courage gehabt, dem Kind zu helfen?
Eigentlich verabscheue ich so eine Art der Berichterstattung.
Ich weiß auch nicht, ob es mir dabei “hilft” zu sehen, wie schrecklich Krieg ist.
Ich finde es schrecklich, in so einer Situation “photogeil” zu sein. Ich weiß, das sind harte Worte, aber es beschäftigt mich auch grad sehr. Realistische Berichterstattung…ja, die muss sein – aber in soo einem Moment?? Quasi noch hinterherzulaufen, um das Foto bloß auf jeden Fall einfangen zu können.
Ne da kommts mir auch hoch und ich verspüre alles andere als Hochachtung. Eher Abscheu.
(und schon hab ich vergesssen, dass es sich hierbei ja eigentlich nur um nen Film handelt) Hoffentlich werden all die Journalisten, im Angesicht des Todes, auch schön photographisch festgehalten.Was mag das für ein Gefühl sein? Die Knarre am Kopp und dann noch sehen, dass da jemand mit der Kamera draufhält. Ne gruselig.
In die Situation käme ich auch nicht. Und Mut gehabt zu helfen, hätte ich auch nicht.
Möchte hier auch gerne auf James Nachtwey verweisen, es gibt auch eine gute und interessante Doku über ihn (war photographer). Kann hier noch nicht so ganz einer Meinung zustimmen, denn es ist ein recht kompliziertes Thema. Was sollte fotografiert werden und was geht zu weit. Denke man kann das auch vielleicht in einem anderen Zusammenhang sehen. z.B. Fotos von verhungernden Kindern in Entwicklungsländern oder eben in Krisengebieten, Fotos von Menschen die sich gerade in ihrem letzten Lebenskampf befinden. Ethisch und moralisch finde ich z.B. nicht, dass es notwendig sein sollte solche Bilder zeigen zu müssen. Aber oft zeigt einem die Realität leider etwas anderes, denn es gibt sehr wohl Menschen deren Gehirn und Gefühle erst bei solchen Bildern zu funktionieren oder zu arbeiten beginnen.
Dennoch glaube ich aber nicht, dass es bei Kriegsfotografen um Fotogeilheit oder um den Gedanken an ein Siegerfoto bei Wettbewerben geht. Aber die Entscheidung draufbleiben oder nicht, muss dann halt jeder für sich treffen, dass sie (die Fotografin) in irgendeiner Weise in dieser Situation hätte helfen können wage ich zu bezweifeln.
Vielleicht mische ich mich in etwas ein, worüber ich mir noch nicht genügend Gedanken gemacht habe. Aber die Frage, die sich mir gerade stellt ist: würden wir ein so genaues Bild vom 2. Weltkrieg haben, einschließlich der Situation in den Gefangenenlagern, wenn es nicht die Menschen gegeben hätte, die dort hin gegangen sind, um zu fotografieren und Beweise für die Grausamkeit zu erhalten und um sie der Nachwelt zu hinterlassen? Klar ist das alles hart. Und natürlich ist es unmoralisch und unmenschlich, aber ich muss ehrlich sagen: wäre ich in einer vergleichbaren Situation wie der des Mädchens, dann würde ich nicht wollen, dass sich jemand noch zusätzlich in Gefahr begibt (nicht vergessen: der Mann hatte eine Waffe in der Hand und hat diese garantiert auch schon öfter benutzt), sondern lieber, dass festgehalten wird, wie grausam und unmenschlich ein Krieg ist, das Bild verbreiten, darauf aufmerksam machen, usw. Man weiß (auch als Kind, das in einem Kriegsgebiet aufwächst), dass es möglich und wahrscheinlich ist zu sterben, deshalb hatte dieses Mädchen auch keine richtig erkennbare Angst vor dem Mann, sondern hielt eisern an dem Beutel fest. Jedes Kind der westlichen Welt, ohne Kriegsvorerfahrung, wäre sofort und ohne zu zögern weinend davon gelaufen (was wir hier als normale Reaktion empfinden würden).
Um ehrlich zu sein: als Fotojournalistin mit dem Herz, das für diesen Beruf schlägt… ich hätte das Foto auch gemacht.
Außerdem muss ich Patrick zustimmen: im “wahren Leben” finden solche Preisverleihungen nicht annähernd in so einem Rahmen statt.
ich find diese diskussion hier sehr gut. schön wieviel sachliche komentare hier landen zu diesem wirklich schwierigen thema. das zeigt zumindest das viele von uns noch ein herz haben und nicht nur kalt und gefühllos handeln. das find ich alles sehr gut.
über eines hab ich mir aber nun nochmals gedanken gemacht. was würde ich wollen wenn ich das kind wäre oder wenn ich einer wäre der erschossen wird. angenommen ich würde die szene nach meinem ableben weitersehen können. nur mal angenommen. ich würde wahrscheinlich ganz sicher rufen, fotografier das alles, bitte bitte!
auch kriegsfotografen machen immer wieder die erfahrung das sie tolleriert werden wenn sie fotografieren wie die familie den sterbenden beweint. wahrscheinlich weil sie ihre trauer und auch ihre wut über den verlusst und über den krieg zeigen wollen. sie wollen ihre trauer hinausschreien. ….. kann sein das ihr das anders seht, aber so sind halt meine gedanken zum thema.
@frl.blume und partrick: interessanter blickwinkel! so habe ich es, ehrlich gesagt, bisher noch nicht gesehen. als ich den film angesehen habe, hab ich übrigens auch gar nicht im vordergrund das “kriegs”-foto gesehen, sondern das bedrohte kind. klar, das ist ein teilstück eines krieges… aber gibt es nicht fotos, die die grausamkeit des krieges viel deutlicher zeigene könnten als dieses kind? das ist halt, was mir durch den kopf geht.
ich bin halt kein fan davon, immer die kinder vorzuschieben (auch bei 3.welt-fotos)… kinder “ziehen” halt immer, das weiß anscheinend jeder journalist…
Kinder “ziehen” nicht, sondern bei Kindern (und die Reaktion hatten hier einige schon) wird die Grausamkeit noch mal mehr deutlich und es geht einem eben mehr ans Herz. Genauso funktioniert das mit Müttern, die ihre Kinder halten, währen diese sterben. Bei Kindern ist das Schutzbedürfnis bei uns einfach noch größer, weil sie sich nicht wehren können, einfach zu klein und schwach, zu unerfahren sind.
Das Ding ist ja, dass bei einem Krieg nicht die jenigen zu Schaden kommen, die den ganzen Kram angezettelt haben, sondern die, die unschuldig sind. Kinder, Mütter, Väter, Großeltern – eben alle die, die einfach nur in dem Land geboren wurden, wo dumme, hirarchische Menschen an der Macht sind, die auf Kosten der Bevölkerung einen zerstörerischen Krieg führen.
Nehmen wir mal das Beispiel Landminen… da ist es eben hauptsächlich so, dass Kinder von diesen zerfetzt werden, weil sie beim rennen, spielen und leben auf eine rauf treten und dann für immer verstümmelt sind. Deshalb sieht man auch immer wieder so viele Bilder von verstümmelten Kindern, weil es eben einfach viele Kinder gibt, die in einem Krieg verletzt oder getötet weren.
Es ist schwierig die Fotografen per se an den Pranger zu stellen, weil man als Betrachter oft vergisst, dass es dokumentarische Fotos sind, die einfach nur die Realität zeigen. Fotografen werden wohl noch mehr fotografieren, als nur die Kinder. Aber von denen, die die Bilder kaufen und hinterher veröffentlichen, werden eben meistens die Kinderbilder gewählt, da es einfach ein Faktum ist, dass Kinder, kleine Hunde und Nacktheit in der Werbung am besten funktionieren. Und nichts anderes sind diese Bilder, wenn sie im Fernsehen oder in der Zeitung gezeigt werden: Werbung. Für die Demokratie, für den Frieden, für die Medien, die aufzeigen wie schlimm so ein Krieg ist, für die Zeitungen, Fernsehsender usw. die sich auf die Flagge schreiben, wie informativ sie ja sind. Nicht den Fotografen sollte man verurteilen, sondern viel mehr die Medien, die diese ursprünglich dokumentarischen Bilder zu einem Aushängeschid machen, dass auf die Tränendrüse drückt.
@frl:blume: weise gesprochen. und sie haben recht! ;)
Also medien-technisch finde ich es ehrlich gesagt allgemein heftig, wie viele solche Bilder man im Alltag zu sehen bekommt. Wenn man zum Beispiel im Fernsehen die Nachrichten anschaltet, sieht man mittlerweile annähernd jeden Tag gefilmte Aufnahmen von Anschlägen oder Orten, an denen eine Bombe eingeschlagen ist. Und man sieht die zerfetzten Menschenkörper, die schreienden Opfer, Helfer und Angehörigen, überall ist Blut, man hat das Gefühl, dass die Ärzte kaum etwas ausrichten können. Und all das sieht man wie selbstverständlich jeden Tag. Mir fällt das oft gar nicht auf, aber manchmal denke ich daran, dass an jedem Toten eine trauernde Familie hängt und diese Schwerverletzten wahrscheinlich in ihrer Heimat völlig verloren sind, da sie ein abgerissenes Bein nicht zurückbekommen können und dort noch viel mehr als wir darauf angewiesen sind. Und genauso ist es mit diesen hungernden Dritte-Welt-Kindern. Ich finde, die Fülle an Bildern dieser Art führt auch dazu, dass man irgendwie abstumpft. Vielleicht ist es auch eine Art Abwehrreaktion, da man sich völlig fertig machen würde, wenn man jedesmal mitfiebern würde und sich das Elend ernsthaft bewusst machen würde. Und am Schlimmsten ist, dass man so auch die eigene Machtlosigkeit spürt – selbst wenn man zum Beispiel dieses Kind hätte retten können, sind da noch Millionen andere, deren Leben genauso kurz und schlimm war.
Aber trotzdem finde ich diese Art von Dokumentation und Berichterstattung sehr wichtig. Wie Livinginlavender schon gesagt hat, ist es schwierig, eine Grenze zu ziehen, was moralisch vertretbar ist und was nicht. Also muss der Fotograph in dieser Situation entscheiden, ob er das kann oder nicht. Und ich selbt könnte das überhaupt nicht – erstens wäre ich grundsätzlich zu feige, überhaupt in so ein Gebiet zu reisen und zweitens könnte ich weder hinsehen noch fotografieren, wenn ich in so eine Sitation geraten würde. Ich finde den Film aber trotzdem sehr gut, auch wenn die Sache mit der Preisverleihung offensichtlich unrealistisch ist, denn wenn man ein Foto sieht, denkt man oft nicht daran, dass das Foto auch jemand gemacht haben muss, also erstens hautnah dabei war und zweitens auch hinterher ertragen muss, dass er es nicht ändern konnte und stattdessen fotografiert hat. Den Fotografen selbst sieht man schließlich fast nie auf dem Bild…
ich bin wirklich begeistert, wie viele von euch jetzt hier schon ihre meinung kundgetan haben. vielen herzlichen dank!
mich haben die unterschiedlichen sichtweisen sehr nachdenklich gemacht und ich überdenke meine eigene einstellung zu dem thema.
Ich möchte doch auch noch einmal eine Lanze für die Fotografin brechen – auch wenn mich ihre Kaltblütigkeit besonders in dem Detail, noch in der laufenden Szene die Belichtung zu messen, schon erschreckt hat. Ich glaube aber, Frau Chikatze, daß du ihre Optionen falsch einschätzt. Ich erkenne da ein “sie hätte entweder das Bild machen oder das Kind retten können”. Ja, wie denn? Hätte sie ihre Kamera nach dem Schwerbewaffneten werfen sollen? Oder hätte es vielleicht doch gereicht, wenn sie gerufen hätte “halt, das können Sie doch nicht machen, lassen Sie das Kind gehen”?
Nein, solcher Heldenmut erreicht nur im Kino etwas, in der konkreten Situation hatte sie gar keine Optionen als das Bild zu machen oder ihren eigenen Hintern zu retten, den sie nämlich in dem Augenblick in höchste Gefahr gehängt hatte (was freilich in der Tat einfach nur Teil ihrer job description ist).
Und genau so ist es mit Berichterstattern, wenn wir von der Situation abstrahieren: Das, was da im Krieg an Grausamkeit passiert, passiert nicht wegen, sondern trotz ihres Daseins. Der perfekte Beobachter verfälscht die Beobachtung nicht durch seine Anwesenheit. Das ist sein Daseinszweck, ihm daraus einen Vorwurf zu machen, ungerecht.
Womit ich absolut nicht sagen will, daß ich die Frau beneide oder daß das ein Job für mich wäre.
Für mich ist es nicht die Frage, ob die Fotografin nun eine Heldin oder eine tragische Figur ist.
Ich denke, dass solche Fotos “gemacht werden müssen”, damit in der heutigen Zeit überhaupt jemand aufgerüttelt wird.
Wir werden durch Meldungen derart überreizt, dass die wirklich tragischen Angelegenheiten – und deren gibt es genug – an unseren Verdrängungsmechanismen einfach vorbei ziehen.
Ich weiß nur nicht, wo es endet. Auch in der Informationswirtschaft scheint es immer härterer Drogen zu bedürfen.
Ich tendiere dazu, die Fotografin in Schutz zu nehmen. Trotz der vermutlichen Fassungslosigkeit macht sie ihren Job. Dass sie an dem Bild nicht glücklich wird, liegt auf der Hand.
Die Frechheit sehe ich eher bei der Jury, der nichts heilig ist. Die glaubet vielleicht, besonders richtig gehandelt zu haben.
drei seiten voller interessanter pressebilder stellt martin hier in seinem blog vor, http://www.krolop-gerst.com/blog/general/spezial-das-ist-ja-voll-link/
@thomas nein, sie hätte das kind nicht retten können, das habe ich nie behauptet. ich habe auch gesagt, daß ich nichts in der art unternommen hätte, wenn ich an ihrer stelle gewesen wäre. aber ich hätte nicht draufhalten können und wollen in solch einem moment.
die meisten hier interpretieren den film anscheinend als pro-contra kriegsfotografie-ansporn… so gesehen finde ich es natürlich auch wichtig, daß krieg abgelichtet wird und wir am anderen ende der welt daran teilhaben. wobei ich ganz ehrlich auch zu denen gehöre, die da langsam abgestumpft sind. zu viel input aus den medien. irgendwann sieht man einfach nicht mehr hin. wie weiter oben jemand geschrieben hat: wenn wir alles annehmen würden und in uns aufnehmen, was wir da in den nachrichten sehen, würden wir selber verrückt werden und daran kaputt gehen. das geht einfach nicht.
ich denke, solche fotografen zahlen einen hohen preis: den ihres eigenen lebens. das finde ich tatsächlich beeindruckend und davor habe ich- um zurück zum anfang der diskussion zu kommen- hochachtung. nicht aber vor dieser szene mit dem kind. die geht mir einfach zu weit.
da gibt es ja anscheinend so viele meinungen wie kommentare zu… ;) gut so.
@steppenhund: das hätte ich jetzt auch an dich richten können… ;)
@patrick: danke für den link! da sind wirklich geniale fotos dabei…
Aber da sie dem Kind ja nun nicht mehr helfen konnte, war es ja sozusagen das Beste, was sie überhaupt noch machen konnte. So kann sie die Geschehenisse in die Welt tragen und vielleicht trifft sie gerade mit diesem Bild auch einen empfindlicheren Nerv, als sie es mit einem anderen getan hätte.
Aber jetzt mal abgesehen davon glaube ich, dass meine Mutti nie zugelassen hätte, dass ihr Kind so etwas spielt. Also ich finde es wirklich gelungen und dieses Kind hat meiner Meinung nach eine ganz besondere Ausstrahlung und innere Schönheit – es ist also wunderbar dafür geeignet, um den Betrachter dieses Filmes emotional zu berühren. Aber dass man das als Eltern erlaubt, ist ja auch nicht slbstverständlich. Denn das Kind wird schließlich recht eindrücklich mit einer bitteren Wahrhieit konfrontiert, von der Kinder in diesem Alter in kriegsfernen Gebieten normalerweise verschont bleiben.
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